Ich habe Blogger gefragt wie sie sich die Blogospähre in 5-10 Jahren vorstellen. Welche Themen relevant werden und welche es bleiben, welche Trends sich durchsetzten werden, welche Nischen einen regen Zulauf bekommen werden und ob die die deutsche Blogosphäre eher in die Höhe oder in die Breite wächst. Das Ganze sollte keine Diskussion über das Blogsterben werden. Viel mehr haben mich die Visionen der Blogger interessiert. Natürlich kann niemand in die Zukunft schauen. Aber ich denke es ist interessant zu lesen wie sich deutsche Bloggern die Zukunft der Blogosphäre vorstellen.
Foto von o palsson
Wie wird sich die deutsche Blogosphäre deiner Meinung nach in den nächsten 5-10 Jahren verändern?
“Mr. Selbständig im Netz” Peer Wandiger antwortete:
Es ist schon schwer 3 Jahre in die Zukunft zu schauen. 5-10 Jahre sind im Web eine Ewigkeit. Man muss ja nur mal 10 Jahre zurück schauen. Keine Blogs (in der heutige Form zumindest), kein Social Web, kein Twitter, keine Podcasts …
Das lässt erahnen, dass das Web in 5-10 Jahren deutlich anders aussehen wird als heute. Sicher wird es Blogs in irgendeiner Form noch geben, aber ob die Blogosphäre noch so aussieht wie heute, ist schwer zu schätzen.
Das mobile Web wird sicher den Durchbruch geschafft haben und auch Social Websites noch stärker als heute vertreten sein. Und ich denke, ich werde dann auch noch bloggen, da es mir einfach am meisten Spaß macht Texte zu schreiben.
Dirk Metztenbach, Betreiber des Photoshop-Webblogs schrieb hierzu:
Es ist kaum möglich, fünf oder gar zehn Jahre der Entwicklung in der
deutschen Blogosphäre vorauszusagen. Für mich selbst habe ich gerade
erst Twitter entdeckt. Und auch bei Facebook wird das Photoshop-Weblog
demnächst vertreten sein. Im Blog werden diese Angebote präsentiert.
Es findet also eine Verzahnung mit Microblogging-Diensten statt.
Tanja aka. Crazy Girl antwortete mir:
Schwer zu sagen, denn “hellsichtig” sind wir ja alle nicht. Ich denke aber,
dass Blogs defintiv eine Zukunft haben und vor allem auch im commercial
Bereich nicht außer Acht gelassen werden sollten.
Ich denke, das Blogs auf jedenfall noch bestehen werden und auch die Verzahnung mit anderen Social-Networking Seiten weiter zunehmen wird. Allerdings denke ich auch, dass sich viele Blogs ändern werden, insbesondere die Themen über die gebloggt werden. Im Moment besteht ein riesiges Interesse an Blogs die darüber bloggen wie sie Bloggen. Das ist ein Trend, meiner Meinung nach, der sich nicht lange halten wird. Mittlerweile wurde hierzu nahezu alles geschrieben und es ist nur noch ermüdend den 30 Artikel zu lesen wie man denn nun endlich die “Ultimativ Beste Headline” erstellt. Aber zu den Trends hab ich ja auch die anderen Blogger gefragt. Hier ihre Meinungen:
Welche Trends werden sich durchsetzen? Welche Nischen werden einen regen Zulauf an Lesern haben?
Peer Wandiger:
Wie gesagt, das mobile Web wird endlich den Durchbruch erleben. Aber auch Social Networks werden sicher eine sehr wichtige Rolle spielen. Am ehesten mache ich mir um Google und Co. sorgen. Mal schauen ob die Suchmaschinen sich wieder neu erfinden und bessern können.
Aber wie man an Twitter und Co. sieht, kann morgen schon wieder ein neuer Trend um die Ecke kommen. Deshalb wage ich keine genauen Prognosen über kommende Trends. Senioren sind sicher ein Thema, welches wichtiger wird. Zum einen wird es in 10 Jahren immer mehr davon geben und diese werden auch relativ offen gegenüber dem Internet sein. Wenn man dann noch an so benutzerfreundliche Technik wie z. B. das iPad denkt, dann ist davon auszugehen, dass Senioren recht stark das Internet nutzen werden.
Monika Riecke vom Artikelportal Jetzt-Weiss-Ich :
Ich kann nur sagen, dass auf meinem Artikelportal die Artikel, wo es ums
Geldverdienen geht, am meisten gelesen werden. Und ich schätze mal, dass
auch dies ein Thema bleiben wird.
Dirk Metztenbach:
Kommentierte Links sind derzeit das kleinere Thema, denn immer öfters
werden diese bei Twitter landen. Das bedeutet, das Weblogs mehr eigene
Themen bringen müssen. Einzigartige Inhalte (wie so oft angesprochen),
die es auf keiner anderen Webseiten zu lesen gibt. Das setze ich mir als
Schwerpunkt für die Zukunft. Wobei ich da nur an dieses Jahr denke.
Wer in der Nische arbeitet kann sich besser auf seine Zielgruppe konzentrieren.
Das festigt zumindest die Basis. Von einem regen Zulauf würde ich aber nicht
sprechen. Jeder Leser ist hart umkämpft. Das Angebot wird größer. Die
Aufmerksamkeit und Zeit des Internetnutzers jedoch nicht
Den Gedanken von Peer Wandiger finde ich persönlich zwar sehr gewagt aber irgendwie auch interessant und mutig. Ich denke die ältere Generation ist immer skeptisch gegenüber allem was es in ihrer Jugend noch nicht gab und deswegen wird es noch sehr lange dauern bis Senioren im Internet ankommen werden. In meiner letzten Frage wollte ich wissen wohin denn nun die deutsche Blogosphäre wächst:
Wächst die deutsche Blogosphäre eher in die Breite (mehr kleinere Blogs) oder in die Höhe (weniger kleine dafür mehr große Blogs)?
Eine düstere Zukunft prophezeit Dirk Metztenbach:
Ich denke nicht, dass die deutsche Blogosphäre derzeit überhaupt wächst, also
weder in die Breite, noch in die Höhe. Es entscheidet sich gerade, wer durch hält.
Einige haben das Bloggen nur einmal ausprobiert, andere haben dank Beruf oder Familie
einfach nicht mehr die Zeit, jeden Tag einen Artikel zu schreiben. Das führt dazu,
das es in Zukunft weniger Weblogs geben wird.
Für Stagnation plädiert dagegen Peer Wandiger:
Ich sehe da eher eine Pyramide. In den meisten Lebensbereichen entwickelt sich eine Pyramidenform. Unter sorgen viele kleine Blogs für eine breite Basis. Nach oben hin werden es weniger Blogs, bis es dann ganz oben nur wenige sehr, sehr erfolgreiche Blogs gibt. Ich denke nicht, dass sich an diesem grundsätzlichen Verteilungsprinzip etwa ändern wird.
Nun denn, dann bleibt es eben an mir eine positive Zukunftsprognose zu erstellen:
Ich denke das die deutsche Blogosphäre auf jedenfal weiter wachsen wird. Das Interesse an Blogs beginnt erst im Mainstream anzukommen. Blogs werden nicht länger als bedeutungslose Schwallerei sondern als ernst zu nehmende Quellen anerkannt. Durch Skandale wie momentan um den Blogger Arian und das Buch Axolotl Roadkill wächst das Interesse daran was denn nun eigentlich Blogs sind. Das bringt der deutschen Blogosphäre auf jedenfall neue Leser. Die Sueddeutsche berichtet mittlerweile jede Woche über Blogs und stellt solche vor bzw. kommentiert Bloggermeinungen. Ich sehe da auf jedenfall Potential. Auch nach oben hin ist noch jede Menge Platz! Es gibt noch viel zu wenige wirklich professionelle Blogs in Deutschland.

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