Die allermeisten Menschen scheinen keinen Schimmer zu haben, welche Gefahr eine Webcam im Schlafzimmer bedeuten kann. Sei es für sie selbst oder ihre Kinder. Ja! Auch wenn ihr Kind den Laptop nicht von seiner Schule geschenkt bekommen hat.
Aber Privatsphäre ist doch eh überbewertet, überholt und nicht mehr von Bedeutung. Denn wenn es etwas gibt von dem du nicht willst ,dass jemand darüber Bescheid weiß, solltest du es eben nicht machen. Halt Moment. Okay man kann zu dieser Privatsphäre Debatte Stellung beziehen wie man will. Man kann Orwell lesen und in Panik geraten oder man kann Facebooks neue Privatsphäre Richtlinien akzeptieren mit der festen Meinung man hätte ja nichts zu verbergen.
Foto von: TheAlieness GiselaGiardino²³
Doch an einer Stelle sind sich wohl beide Seiten einig. Es geht niemanden etwas an was wir in unseren 4 Wänden tun und schon gar nicht was unseren Schlafzimmern. Und erst recht nicht was in den Kinderzimmern vor sich geht. Kein Fremder sollte hier mithilfe einer Kamera alles mithören und mitfilmen können.
Natürlich gibt es Leute, die sich von Geld anlocken lassen und für sich Monate lang 24 Stunden am Tag, in einer von Orwell inspirierten Show, überwachen lassen. Doch das ist deren freie Entscheidung gewesen und sie haben ihre Privatsphäre gegen Pseudo-Rtl2 Ruhm und die Hoffnung auf das große Geld eingetauscht. Doch niemand darf so etwas gegen den Willen des überwachten Menschen tun.
Skandal! Natürlich in den USA
Geschehen ist es leider doch. Und wo? Natürlich in den USA. Warum “natürlich in den USA”? Na weil in Deutschland sich so etwas niemand trauen würde, es in China legal wäre und der Rest der Welt, Deutschland, niemanden zu interessieren scheint (Den K-Fall mal ausgeschlossen)*. Die Beteiligten sind sich natürlich keiner Schuld bewusst und für alle die keinen Schimmer haben worauf ich anspiele sei es hier kurz erklärt:
In den USA hatten zwei Schulen insgesamt 2300 Apple-Laptops an Schüler verteilt und durch die integrierte Webcam sollen sie, so der Vorwurf, die Schüler ausgespäht haben. Vorgesehen war die eingebaute Spionage-Option wohl um geklaute Laptops wiederzufinden. Der Missbrauch fiel auf als sie einen Jungen beschuldigten Drogen zu nehmen und ihn anhand eines mit der Webcam des Laptops geschossenen Fotos überführen wollten.
Das es zum Missbrauch kam scheint mir plausibel und irgendwie auch nachvollziehbar. Zu groß war wohl die Versuchung wissen zu wollen welche Websites die Schüler besuchen und was sie sonst so in ihrem Schlafzimmern treiben. Das Lehrer diese Möglichkeit ausgenutzt haben ist natürlich das Allerletzte und es ist nicht übertrieben hier von einer “abscheuliche Verletzung der individuellen Privatsphäre” zu sprechen. Wenn ich nur daran denke, wie ein pedophiler Lehrer seinen Schülerinnen beim Umziehen zusieht wird mir kotzübel. Aber eigentlich wurde zu diesem Skandal schon genug gesagt und es bleibt abzuwarten wie die US-Justiz mit diesem Fall umgeht und welche weiteren Details bekannt werden.
Der Skandal hinter dem Skandal
Doch rückt dieser Skandal eine ganz andere Problematik ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sollte jedenfalls so sein. Immer mehr Laptops besitzen eine integrierte Kamera und immer mehr Kinder besitzen Laptops. Ob das jetzt sinnvoll oder nicht sei dahin gestellt. Webcams kosten den Laptophersteller nicht unbedingt viel und eine Laptop mit Webcam macht einfach mehr her als einer ohne. Anwendungsmöglichkeiten gibt es zu Genüge. Sei es um zur Youtube Berühmtheit aufzusteigen, mit der Freundin im Urlaub einen Videochat zu führen oder um im Monsterkostüm andere Leute Lächeln ins Gesicht zu Zaubern.
Die eigentliche Problematik, ist dass bei diesen integrierten Webcams nicht einfach so der Stecker gezogen werden kann. Natürlich kann man sie Deaktivieren aber das ist noch lange nicht das selbe wie “Stecker ziehen”. Zudem kann man die integrierte Webcam nicht einfach wegräumen und nur bei Bedarf raus kramen. Die integrierte Webcam zeigt dauerhaft und unerbittlich auf den Laptop Benutzer bzw. dessen Zimmer.
Wie sie den Spanner ins Haus einladen
Die meisten Menschen wissen nicht wie einfach Hacker die Kontrolle über ihren PC bekommen können und noch schlimmer: Was diese alles mit dem PC/Laptop anstellen können. Um hier mal ein bisschen Aufklärungsarbeit zu leisten ein kleines Beispiel :
Sie suchen bei Google nach einem Bild für eine Präsentation. Haben sie das passende Bild gefunden, laden sie es ich auf ihren PC herunter und öffnen es mit einem Doppelklick um es in voller Größe zu betrachten. Klick Klick. Das Bild kam nicht allein auf ihren PC. Ein kleines Programm im Hintergrund wurde durch ihren Doppelklick aktiv. Solche Trojaner können, einmal auf ihrem PC geladen, Unglaubliches mit ihm anstellen.
Der Trojaner-Uploader kann nun bei jedem beliebigen PC jederzeit mitlesen, was gerade am Bildschirm passiert. Darüber hinaus kann er jederzeit die Kontrolle über ihre Maus übernehmen und am allerschlimmsten: Er kann jederzeit die Webcam aktivieren und schauen was sie gerade in ihrem Zimmer machen. Die einzige Möglichkeit ihn daran zu hindern ist den Laptop auszuschalten.
Kinderpornografie 2.0
Viele Jugendliche/Kinder lassen ihren Laptop den ganzen Tag laufen. Sei es um Musik zu hören oder um jederzeit erreichbar zu sein. Auch wenn sie Besuch von ihrem Partner bekommen. Nun stelle man sich vor irgendein Spannner könnte sie dabei beobachten. Ja da ist sie wieder die Übelkeit. Das ist ein viel größerer Skandal als was in den USA passiert ist. Doch niemanden scheint das zu stören.
Der ganze Skandal geht noch weiter. Nicht nur irgendwelche dubiosen Mafioso in Osteuropa können durch ihre Webcam spähen. So genannten Toolkits, für jedermann an jeder halbwegs dunklen Ecke des Internets downloadbar, ermöglichen es, dass jeder zum “Hacker” wird. Mit wenigen Klicks kann Ruck/Zuck ein eigener Trojaner erstellt werden. Stellen sie sich vor, sie fragen ihren netten Nachbarn um PC-Hilfe. Dieser installiert mit einem Doppelklick seinen Trojaner auf ihrem PC und späht sie oder ihre Kinder fortan durch ihre Webcam aus.
Gruselig…
Untechnischer Selbstschutz
Und wie kann man sich schützen? Die Lösung ist untechnisch und unkompliziert: Klebeband. Einfach die Webcam zukleben wenn sie sie gerade nicht brauchen. So kann niemand sie Bespitzeln und etwas sehen “von dem du nicht willst ,dass jemand darüber Bescheid weiß”.
Ja! Niemand Fremdes sollte über meine Sexualität oder meine Zimmer Hygiene Bescheid wissen. Punkt aus Basta.
Was meinst du? Ist das übertrieben oder warum hat sonst noch niemand auf diese Problematik hingewiesen?
Notiz: Wer mich jetzt als Spinner und das Ganz als unrealistisch abstempeln will sollte einfach mal nach Stark 2 suchen. Shark 2 ist eins der beliebtesten Toolkits seiner Art. Mit allen nötigen Features, inklusive Webcam Kontrolle. Und das krasseste: Für jedermann erhältlich.
* K-Fall = Katastrophe/Krieg

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Interessanter und gut geschriebener Artikel, jedoch voll von Rechtschreibfehlern
Gruß Pete