Lernoptimierung für Schüler. 3 Grundtechniken

Posted in Bildung

Ich war immer ein fauler Schüler. Meine Eltern haben keine Gelegenheit verpasst um mich darauf hinzuweisen wie wenig ich doch für die Schule mache und das ich gefälligst mehr machen soll.

Bis zur 11. Klasse habe ich genau das selbe geglaubt. Wenn man einen Tag vor der Klausur anfängt zu lernen schreibt man halt ne 3 oder ne 4. Würde ich früher anfangen wären meine Noten schon besser. Hausaufgaben? Ich kann schon selbst entscheiden welche sinnvoll sind und welche nicht. Die meisten sind doch eh reine Schikane und so bekomm ich ja auch nicht Schuhe günstig.

Aber das kann ich ja alles in der Oberstufe anders machen. Früher anfangen, Hausaufgaben daheim machen und so.

Hehe ist dir was aufgefallen? “Ich war IMMER ein fauler Schüler”. Ja, auch in der Oberstufe. Natürlich wurde es nichts mit meiner Wandlung. Kein Mensch kann sich so um 180 Grad drehen und auf einmal von einem völlig unorganisiertem Ein-Tag-Vorher-Lerner zum strukturiertem Wochen-im-Voraus-Planer-Lerner werden. Ich war auch in der Oberstufe faul und hab mein Lernmuster beibehalten. Dennoch wurden meine Noten rapide besser und diese Verbesserung habe ich nicht zuletzt diesen 3 Techniken zu verdanken.

1) Das wichtigste Zuerst

Ich denke jeder Schüler weiß was in der Schule wichtig ist. Ist das Referat in 3 Wochen wichtiger oder doch die Mathe Arbeit morgen? Soll ich Fußball spielen gehen oder doch lieber Vokabeln lernen? Soll ich Simpsons schauen oder Physik lernen?

Solche Fragen stellt man sich als Schüler überhaupt gar nicht, weil man die Antwort kennt. Jeder Schüler will mit einem Minimum an Aufwand zum Ziel kommen und das ist ja auch gut so.

Viele Lehrer geben Hausaufgaben nur um ihr Image als strenger Fiesling aufrecht zu erhalten. Viele kontrollieren überhaupt nicht ob die Schüler, das Buch wirklich gelesen haben weil sie sich viel zu gern selbst reden hören. Und viele vergeben Referate die nur Unterrichtszeit füllen sollen ohne ehrlichen pädagogischen Hintergrund.

Solche Aufgaben darf man getrost unerledigt lassen, schlampig erledigen oder vom Nachbarn abschreiben.

Aber manche Dinge müssen gemacht werden. An ihnen führt kein Weg vorbei und wenn du ehrlich bist weist was nötig wäre um eine gute Note in der nächsten Klausur zu erreichen. Wären da nicht all die Ablenkung und die ganzen unsinnigen Hausaufgaben.

Wenn man schon ein fauler Schüler ist muss man lernen bewusst zu Filtern, was ist wichtig und was nicht. Mir hat es enorm geholfen die zwei wichtigsten Dinge die an diesem Tag für die Schule an standen, noch in der der Schule, aufzuschreiben.

Im Prinzip weiß man es ja selbst nur kommt man daheim viel zu schnell auf andere Gedanken und es tut einfach gut das Ganze abhacken zu können. Mein Trick war es nun immer diese wichtigsten Dinge zu machen bevor ich irgendetwas anderes gemacht habe. Bevor der PC angemacht wurde oder die Freunde angerufen wurden habe ich meine Mathe Hausaufgaben erledigt und Latein gelernt, sofern in diesen Fächern Klausuren an standen. All die anderen kleinen Dinge die man für die Schule machen kann, habe ich getrost vernachlässigt. War mir langweilig habe ich ab und zu die unsinnigen Chemie Hausaufgaben oder so erledigt. In der Regel habe ich diese Dinge einfach “vergessen” und sie morgens in der Schule erledigt. Für die wirklich wichtigen Dinge habe ich mir jedoch immer Zeit genommen und sie gut gemacht.

2) 80/20 Prinzip

Die meisten kennen das 80/20 Prinzip aus anderen Bereichen, aber mir hat es enorm während meiner Schullaufbahn geholfen. Das Prinzip besagt im Grunde, dass 80% der Arbeit in 20% der dafür verwendeten Zeit erledigt wird. Die restlichen 80% der Zeit arbeitet man nur noch an den übrigen 20%. Diese Erkenntnis kann fundamental sein wenn man beispielsweise an einem Referat arbeitet. Klar kann man sich an irgendwelchen Feinheiten vertiefen. Klar kann man an irgendwelchen Formulierungen feilen und klar kann man auch die exotischste Vokabel lernen. Viel Beitragen zum Gesamten tut es nicht, aber es beruhigt das Gewissen. Unabhängig davon wie viel es denn tatsächlich gebracht hat.

Die kleinen Feinheiten bemerkt meistens niemand außer man selbst. 80% reicht in den allermeisten Fällen für eine gute Note. Ich habe mich, nachdem ich von diesem Prinzip gehört hatte, immer wieder selbst ertappt, wie ich an unnötigen Feinheiten gebastelt hatte oder unnötiges gelernt habe, nur um mein Gewissen zu beruhigen. 80% der Arbeit ist meistens genug! 80% der Zeit kannst du dir getrost schenken und etwas sinnvolleres machen. ( Wie zum Beispiel meinen Blog lesen ;) )

3) Wenn schon spät dann richtig

Es mag keine bewährte Lerntechnik sein aber für mich hat sie mehr als gut funktioniert. Ich hab mir immer eingeredet, dass ich alles innerhalb eines Tages, in mein Kurzzeitgedächtnis presse um es am nächsten Tag auszuspucken und am darrauf folgenden wieder zu vergessen. Das allermeiste in der Schule gelernte, kann man ja sowieso getrost nach geschriebener Klausur vergessen. Wirklich erfolgreich war ich aber mit dieser Technik erst, als ich angefangen habe sie ernst zu nehmen.

An dem Tag vor einer Klausur nichts anderes machen als zu Lernen mag nicht schön sein, ist aber nötig. Besser als wochenlang immer wieder etwas zu lernen, nur um am Tag vor der Klausur festzustellen, dass man das Meiste wieder vergessen hat. Die Tage vor einer Klausur haben komplett der Schule gehört. Dafür alle anderen umso mehr mir. An den ganzen Tagen davor musste ich keinen Gedanken an die Klausur verschwenden, weil ich ja sowieso alles in das Kurzzeitgedächtnis pressen will und das klappt nur einen Tag vorher.

Hast du auch so eine ungewöhnliche Lerntechnik die dich wirklich weitergebracht hat? Bist du auch der Ein-Tag-Vorher-Lerner oder doch eher der strukturierte Wochen-im-Voraus-Planer-Lerner?



4 Comments

  1. Christian sagt:

    Lässt sich auch im Studium anwenden. Allerdings kommt man irgendwann in eine Sackgasse.

    Das Problem merkt man vor allem bei fleißigen Schülern, die kein Interesse an Mathe haben: Lernen ohne Ende (egal nach welchem Prinzip) aber in der Oberstufe kannst du diejenigen vergessen, die immer nur mit dem Kurzzeitgedächtnis gelernt haben.

    Alles Wissen baut aufeinander auf und deshalb sollte man – auch wenn deine Herangehensweise für die Schule top ist ;) – immer an das Wissen denken, was man sein Leben lang haben will (weil es einen interessiert oder nützlich ist).

    Irgendwas muss einfach im Langzeitgedächtnis bleiben und je mehr, desto besser.

    gruß chris

  2. Jonas sagt:

    Ein Tipp: Internet Quellen zum Thema „Richtig lernen“ gibt es u.a.auf http://www.peraugym.at/links/lernen.htm.

  3. Susi sagt:

    Aprospos “Richtig lernen”: der Cornelsen Verlag wirbt gerade für sein neues Online-Lernportal Lerncoachies mit dem Slogan:
    “Hier wird das Richtige gelernt”
    (Zitat von http://www.lerncoachies.de)
    Ich probiere das Portal gerade mit meiner Tochter aus. Mal abwarten, ob das “Richtige lernen” bei Schulnoten hilft. ;)
    Bussi, eure Susi

  4. Sarah sagt:

    Hi, danke für die Lerntipps:) Ich selbst unterrichte Deutsch und Englisch und muss mir für meine besonders sprachfaulen Schüler immer etwas einfallen lassen. Um sie zu motivieren und um ein bisschen für Abwechslung zu sorgen, habe ich mir ergänzende Arbeitsblätter geholt. Mein Tipp für alle Lehrer hierfür wäre: http://www.arbeitsblaetter-online.de/Unterrichtsmaterialien/Fach/Deutsch.html Richtiges Lernen funktioniert in meinen Augen nur, wenn man die passenden Anreize schafft. lg

Hinterlasse einen Kommentar