Werden so “Freundschaften” im 21 Jahrhundert geschlossen?

Posted in Gesellschaft 2.0

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Immer mehr Menschen geben immer mehr von sich im Internet preis. Klar ist die Versuchung gross. Es ist so einfach wie nie sich selbst in einem schönem Licht zu präsentieren, der Gruppenzwang tut zudem sein übriges. Die daraus resultierende Privatsphäre Diskussion ist scheinbar endlos. Doch anscheinend sehnen sich aber immer mehr nach den alten Zeiten in denen jeder im Internet anonym unterwegs war und mit anderen anonym mit Pseudonymen kommuniziert hat. So bin ich zuletzt auf immer mehr Seiten gestossen die eigentlich alle dasselbe anbieten:


Foto von THERKD

Ohne Namens- oder sonstige Angaben Kommunikation mit Fremden.

Einige Beispiele sind:

Chatroulette.com

Omegle.com

EmailRoulette

Bei Omegle genügt ein Klick und man kommt in ein Chatfenster zu einem chatwilligem Fremden. Jeder gibt nur so viel von sich Preis wie er will. Userprofile existieren nicht. Bei Chatroulette sind zudem auch Videochats möglich .  Bei EmailRoulette ist eine Anmeldung erforderlich und das ganze verläuft gemäßigter per Email.

Doch welcher Sinn steckt hinter all diesen Websiten? Was sollte man schon mit Fremden zu bereden haben?

Hauptsächlich geht es dabei um den Spass, mit Fremden aus aller Welt zu kommunzieren. So einfach war es noch nie vorurteilsfrei neue Leute kennenzulernen. Erstaunlich ist jedoch wie viele Leute wirklich mitmachen, da man immer sofort einen Gesprächspartner hat ohne eine Sekunde warten zu müssen. Aber irgendwie bin ich mir noch nicht sicher ob das nicht alles Leute sind die das ganze zum Ersten mal ausprobieren. Dagegen spricht allerdings, dass Omegle schon fast ein Jahr existiert. Ich selbst konnte dem ganzen nicht viel abgewinnen, irgendwie kommt man ja doch schnell bei der Kommunikation mit Fremden in eine Sackgasse und das ganze wird langweilig. So eine typische Kommunikation  bei Omegle sieht wie folgt aus:

You: hi
Stranger: hi
You: where your from?
Stranger: France & you
You: Germany :) do you use omegle for first time?
Stranger: today, that’s first day
You: ah okay :) and why do you use it?
Stranger: to make a friends around the world
Stranger: and you?
You: i´m just testing it. This is the first time i talk to a stranger online.
Stranger: Glückwünsche
You: :D you learned german in school?
Stranger: No use google translate
You: ^^ did you already find friends?
Stranger: yeah, 2 today
Stranger: one from korea
Stranger: and other one from Canada
Quelle: Omegle

Anschliessend tauscht man noch den Namen aus und den genauen Wohnort und dann ist man in der Sackgasse angelangt. Meiner Meinung nach ist Omegle ein seltsamer Platz um nach Freunden zu Suchen aber irgendwie scheint ein reges Interesse zu bestehen.  Besonders seltsam: viele scheinen das ganze als Partnerbörse nutzen zu wollen. Gespräche wie :

Stranger: m or f
Stranger: ??????
You: m u?
Your conversational partner has disconnected
….sind keine Seltenheit.  Zudem scheinen wir Deutsche auch nicht unbedingt dir gefragtesten Gesprächspartner zu sein:
You: hey
Stranger: iya
You: where from?
Stranger: seattle
Stranger: u?
You: germany
Your conversational partner has disconnected.
…ist mir auch schon ein paar mal passiert. Das ganze könnte interessant sein wäre das ganze mehr eingeschränkt und auf einen bestimmten Themenbereich beispielweise über den dann diskutiert werden könnte. Bei grossen Websites könnte sowas die Kommentarfunktion beispielsweise gut ergänzen. Aber so artet das ganze irgendwie zu einer infantilen Partnersuche bei der die “asl?” Frage zum Grundstock jeder Konversation wird. Schade. Immerhin kam es bei meinen 38 Versuchen zu einer halbwegs vernünftigen Konversation:
You: Im a guy!
Stranger: heya
Stranger: so am i!
You: cool and you dont quit the coversation??
You: everyone here does…
Stranger: lmao, i find people that are as shocked as me halarious
You: everytime I tell them im male they quit :D
Stranger: yea
You: where you from?
Stranger: usa
Stranger: you?
You: germany
You: and now you quit he? :D
Stranger: well, i was torn actually
Stranger: part of me wanted to yell NATZI! and quit
Stranger: and the other part was to lazy and wanted to just keep talking
Stranger: XD
You: :D nobody likes germans :(
[...]
Unterhalten haben wir uns noch eine halbe Stunde und ich weiss nun wenigsten, dass “How I met your mother” in den USA mindestens genauso populär ist wie in Deutschland und das es in den USA genauso schweinekalt ist wie hier. Unterhaltsam: Joa! Anstrengend: JA! Nützlich: natürlich nicht.  Aber es mal auszuprobieren, in andere Identiäten schlüpfen und zu schauen wie Leute auf eine erfundenen Identität reagieren oder auch um einfach mal mit Fremden zu plaudern lohnt sich auf jedenfall. Kostet ja nichts.

Notiz: Übrigens scheint der gegenteilige Trend bei Freenetproject.org zu finden bei dem jeder sozusagen ein Privates Internet aufbauen kann. Inklusive Websiten, Datentransfer und Chatfunktion. Jeder kann seine Freunde in sein privates Internet einladen und nur die können die Websiten, Daten etc lesen bzw downloaden. Fremde werden absolut ausgeschlossen. Für mehr Informationen zu Darknets empfehle ich den in der Sueddeutschen erschienen Artikel.

Notiz2: Gerade gesehn, dass sich auch Nerdcore Rene im Moment mit dem selben Thema beschäftigt!

Notiz3: Das man mit dem Ganzen auch einfach wahnsinnig viel Spass haben kann beweist dieses Video!

PS:

Der selbe 17 jährige Ami erzählte mir noch folgendes:

Stranger: my brother would have enjoyed the lowered drinking age
Stranger: i just spent most of highschool watching my brother mess up his life drinking and doing drugs, so i have no interest in it at all
Stranger: although i have located a way to make me drink. and it requires snow, a sled, a hill, and beer
You: ?? :D
Stranger: It is called speed beer. You fill a cup with beer, sled down the hill, and what ever is left over at the bottom of the hill, you drink!
Stranger: repeat until you are bored!
Stranger: or run out of beer
You: you didnt do that really? :D
Stranger: i dont
Stranger: dont drink. but it is an interesting idea though





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