Wie man über Bücher schreibt ohne sie gelesen zu haben

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Schullektüre gehören wohl zu den ätzendsten Begleiterscheinungen des Schulalltags. Nichts gegen Bücher. Ich liebe Bücher und ich liebe es zu lesen. Allerdings kann man nicht immer lesen und schon gar nicht immer alles. Man muss in der richtigen Stimmung sein, Zeit haben und einen Bezug zum jeweiligen Buch finden. Bei fast 10 Schullektüre jährlich eine eigentlich unmögliche Aufgabe. Als Schüler hat man nun zwei Möglichkeiten. Entweder man quält sich durch die Seiten oder man lässt es gleich ganz bleiben.

Die zweite Möglichkeit stellt sicherlich die angenehmere Lösung dar. Deshalb soll es in diesem Artikel darum gehen, wie man das Risiko minimieren kann, durch die nicht Lektüre eine schlechte Note zu kassieren. Ich würde sogar behaupten, dass das nicht-Lesen, wenn man es geschickt anstellt, ein Vorteil sein kann, aber dazu nachher mehr.


Gleich Vorweg: Ich war nie ein Deutsch Überflieger und habe mich nie mit Romanen oder Schriftstellern in meiner Freizeit beschäftigt, geschweige denn für sie interessiert. Bis zur 11. Klasse hat sich das auch deutlich in meiner Note widergespiegelt. Doch in meinen letzten Schuljahren hat sich meine Deutschnote deutlich verbessert, obwohl ich immer noch keinerlei Interesse für das Fach Deutsch entwickelt hatte. Allerdings hatte ich in diesen letzten Jahren begriffen worauf Deutsch Lehrer Wert legen und wie eine Aufsatz Note zustande kommt.

Wie Lehrer Aufsätze benoten

Deutschlehrer (und natürlich auch Deutschlehrerinnen) sind allesamt Literatur Enthusiasten, sonst hätten sie dieses Fach nicht studiert. Das heißt sie sind von ihrem Fach begeistert, genauso wie von den Lektüren die sie in ihrem Unterricht lesen. Sogar wenn es Pflichtlektüren sind, wie beim Abitur beispielsweise, verspüren sie eine gewissen Anerkennung für diese Bücher.

Mit Literatur ist es wie mit aller anderen Künsten. Die Begeisterung für sie ist schwer zu erklären, aber umso euphorischer ist man, wenn man einen “Gleichgesinnten” findet, der genauso von dieser Thematik angetan ist wie man selbst. Ein Maler freut sich wenn er einen anderen Maler trifft mit dem er sich über seine Werke unterhalten kann. Ein Filmfreund wird sich besser mit einem anderen Filmfreund verstehen, als mit einem Opernfreund und ein Lehrer freut sich wenn einer seiner Schüler dieselbe Begeisterung für ein Buch verspürt wie er selbst.

Wenn ein Lehrer nun beim Lesen eines Aufsatzes das Gefühl hat, der Schüler interessiert sich für die Thematik wird er es logischerweise sehr viel wohlwollender benoten. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Es kommt Lehrern nicht auf die Qualität des Textes an sondern nur um das Interesse das er beim Schüler vermutet.

Wie man Interesse heuchelt

Interesse für ein Buch bedeutet nun für die Lehrer nicht, dass der Schüler das Buch gelesen hat. Er erwartet von einem Interessierten Schüler, dass er tiefer in die Thematik eintaucht. Das Lesen des Buches setzt er als Grundvoraussetzung voraus. Nur wenn er das Gefühl hat, dass der Schüler den Konflikt des Buches nachvollziehen kann und sich mit dem Thema des Buches auskennt, ist er der Meinung, dass der Schüler an dem Buch interessiert ist.

Ich kam durch solche Überlegungen zu dem Schluss, dass das Lesen der Schullektüre im Prinzip überflüssig ist, weil Lehrer dafür niemandem eine gute Note geben. Ich konzentrierte mich stets auf das Drumherum und vernachlässigte das Buch an sich.

Eine kurze Inhaltsangabe aus dem Internet oder einer Lektürehilfe reicht aus um die Handlung des Buches zu verstehen. Mehr kann man sich ja sowieso nicht behalten auch wenn man das gesamte Buch liest und schon gar nicht wenn man es unmotiviert liest. Nach dem Lesen einer solchen Inhaltsangabe konzentrierte ich mich immer auf Aufsätze von “Profis” die schon mal etwas über dieses Buch geschrieben haben. Solche Aufsätze finden sich ebenfalls sowohl im Internet als auch in Lektürehilfen.

Aus diesen Aufsätzen schrieb ich mir die wichtigsten Gedanken der Autoren kurz heraus und lernte sie auswendig. Genauso wichtig waren mir die Formulierungen der Autoren. Besonders Fachausdrücke schrieb ich mir heraus und lernte sie auswendig.

Die Idee hinter diesem Vorgehen ist, dass wenn ein Lehrer einen solchen sehr durchdachten und klugen Gedanken zu diesem Buch in deinem Aufsatz liest, wird er niemals auf die Idee kommen, dass du das Buch gar nicht gelesen hast. Zudem bekommt er das Gefühl du hättest dich für das Thema interessiert und dich Drumherum informiert, obwohl in Wirklichkeit Profis, die sich wirklich für das Buch interessiert haben, dir diese Aufgabe abgenommen haben. Wenn der zweite Satz meines Aufsatzes lautet:

“Michael Kohlhaas argumentiert auf der Grundlage des Naturrechts Prinzips, der von Philosophen wie Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant ausgearbeitet wurde. Naturrecht ist für Michael Kohlhaas…”

Ich habe nie Kant oder Rousseau gelesen aber dennoch bekommt der Lehrer den Eindruck ich wüsste was sie geschrieben haben. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung und habe diesen Gedanken aus einer Lektürehilfe übernommen. Dennoch wird der Lehrer denken ich sei ein Literaturfreund. Genauso verhält es sich mit Fachbegriffen. Deutsch Lehrer lieben Fremdwörter und genau deswegen habe auch ich begonnen sie zu lieben.

Sätze wie:

“Kafkas Roman der Process handelt vom Konflikt zwischen Immanenz und Transzendenz.”

können über die eigene Unsicherheit hinwegtäuschen. Niemand weiß worum es wirklich in “Der Process” geht und dieser Satz hört sich einfach verdammt gut an oder? Ein einziger auswendig gelernter Satz wie dieser können einen ganzen Aufsatz retten. In Deutsch gibt es kein strenges Punkte-Noten System. Die Noten entstehen alleine aus dem Gefühl der Lehrer heraus.

Gibt man nun Lehrer das richtige Gefühl gibt dieser dir die richtige Note.

Kennst du weitere Tricks für gute Deutsch Noten? Hast du andere Erfahrungen mit deinen Deutschlehrern gemacht? Über Kritik und Anregungen in den Kommentaren würde ich mich freuen.



2 Comments

  1. Maria_Monte sagt:

    Da muss ich ja schon ein bisschen schmunzeln, denn ähnliche Erfahrungen hat mein Mann gemacht und sich so an dem ein oder anderen Wälzer vorbei gemogelt. Ich war immer ein “Streber” – naja, jedenfalls hab ich die Bücher aus dem Unterricht immer gern gelsen – zumal wir bei meinem Deutschlehrer (11-13) immer im Unterricht mit verteilten Rollen laut vorglesen mussten. Das war oft auch recht amüsant, weil der Lehrer oft mit verstellter Stimme und verschiedenen Dialekten mitgelesen hat.

    Lektürehilfen sind aber immer prima – mein Tipp: Die schlauen Sätze der Experten in eigenen Worten auswendig lernen. Das wirkt noch “echter” und Lehrer können bei ungewohnten Fremdwörtern nicht misstrauisch werden.

  2. Literaturfreund sagt:

    Gefährliches Halbwissen kann oft mehr schaden, als es nutzt. Wer sich auf solch dünnes Eis begibt und auf das Auswendiglernen fremder Interpretationen verlässt, mag oft Glück haben (wie ich selbst in meiner Schulzeit). Man sollte es mit der Hochstapelei allerdings nicht derart übertreiben, wie der/die Autor/in vorschlägt. Wenn der/die Lehrer/in auch nur ein wenig von Kant, Rousseau oder eben auch Transzendenz & Immanenz versteht bricht die dünne Decke schnell ein und es erwischt einen im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt.

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